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Rückblicke auf das Kollegleben (Teil 4)

Denke ich zurück an meine Ausbildung am Hessenkolleg Kassel, breitet sich zunächst eine Art Wehmut in mir aus, denn es war eine spannende, eine schöne, eine erfolgreiche und (verglichen mit dem Studium) eine unbeschwerte Zeit.

Aber schnell tauchen auch andere Gefühle wieder auf: die anfängliche Unsicherheit, die Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, die Angst vor dem Versagen …

Ich schreibe hier über einen Abschnitt meines Lebens, dem ich mit so vielen Vorbehalten gegenüberstand, dass es ungefähr zwei Jahre dauerte, bis ich die vagen Gedanken an eine Veränderung meines Arbeitslebens in die Tat umsetzen konnte.

Nach meiner abgeschlossenen Berufsausbildung zur Zahntechnikerin stieg ich zunächst voller Elan ins Berufsleben ein: endlich fertig sein, endlich arbeiten, endlich Geld verdienen, endlich … oh … und das soll jetzt ca. 45 Jahre so weitergehen?

Meine Unzufriedenheit über die mir bevorstehende Arbeitszeit in dieser Form steigerte sich von Woche zu Woche, bis ich am Hessenkolleg anrief und mich nach den Voraussetzungen für die Aufnahme erkundigte. Der erste, entscheidende Schritt war getan! Noch im selben Jahr durfte ich voll durchstarten.

Ich kam mit relativ wenig Kenntnissen – und zwar alle Fächer betreffend – an das Kolleg, steigerte mich aber stetig von der 11 bis zur 13. Oft ist der Verlauf eher andersherum, aber dennoch machbar. In der 11 war mein Hauptanliegen, erst einmal wieder richtig schreiben zu lernen. Das hört sich jetzt vielleicht banal an, aber ich hatte schließlich in der Berufsschule keinen Deutschunterricht und meine Schulzeit an der OSW lag zu diesem Zeitpunkt auch schon sieben Jahre hinter mir. Somit schrieb ich in meiner ersten Deutsch-Klausur 4 Punkte (an dieser Stelle herzliche Grüße an Frau Dr. Siedenbiedel, denn sie hatte die Ehre, meine schlechteste Klausur am HKK zu korrigieren).

Mein anfängliches Ziel, einfach nur das Abitur zu schaffen, wandelte sich im Laufe der Zeit schon dahingehend „ein gutes Abitur“ zu schaffen und so konnte ich bereits im WS 2006/07 mit einem Notendurchschnitt von 1,5 mit meinem Studium der Zahnmedizin in Göttingen beginnen.

Heute bin ich examinierte Zahnärztin und schaue zurück auf die tolle Zeit am Hessenkolleg, in der ich unglaublich viele Erfahrungen gesammelt und meinen Horizont erweitert habe. Ich hatte Begegnungen mit vielen netten Leuten, aus denen sich längjährige Freundschaften entwickelt haben. Und noch heute bin ich froh darüber, damals den Mut gefasst zu haben, diesen ersten Schritt hin zum Hessenkolleg, hin zum Abitur getan zu haben – es war die beste Entscheidung in meinem bisherigen Leben!

Mirjam

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