Archiv der biografischen Beiträge

Rückblicke auf das Kollegleben (Teil 6)

Walter begann Ostern 1967 sein mit BAFöG gefördertes Studium zur Hochschulreife am Hessenkolleg Kassel. Es dauerte 2 Jahre, bis Juli 1969. Er wohnte im kollegeigenem Heim, wo er wie alle anderen Essensverpflegung und Doppelzimmer hatte. Die Unterrichtsräume befanden sich im gleichen Haus, ebenso eine Bibliothek, eine Küche, das Sekretariat und die Wohnung eines Lateinlehrers (…). Im ersten Semester teilte Walter sich ein Zimmer mit einem ehemaligen Goldschmied (…), den er bei der Aufnahmeprüfung ein halbes Jahr vorher kennengelernt hatte, als sie gemeinsam in der Jugendherberge Kassels übernachteten. Im ersten Semester wurden die Klassen noch allgemein unterrichtet und lediglich nach Einstiegleistungen unterteilt. Walter hatte bei der Aufnahmeprüfung einen sehr hohen Intelligenzquotienten erreicht (136 IQ). Danach musste sich jede(r) Kollegiant/in für den sprachlichen, naturwissenschaftlichen oder sozialwissenschaftlichen Zweig entscheiden, Walter wählte letzteren, nicht zuletzt durch die politischen Ereignisse dieser Zeit mit der stark werdenden Studentenbewegung in Berlin und Frankfurt am Main. Mithin entdeckte er seine Begabung als Soziologe, die von seinem Volkswirtschafts- und Sozialwissenschaftslehrer (…) als solche anerkannt und gefördert wurde, auch wenn dieser nur sukzessive marxistische Positionen übernahm und Distanz zur Studentenbewegung hielt. Inspiriert durch diese entwickelte sich Walter mit Riesenschritten zum Revoluzzer am Kolleg und in der Stadt. Die Rezeption der Theorie und Praxis erfolgte meist über Zeitungsmeldungen von „Die Zeit”, weniger über Literatur. Das periodische Engagement von Walter kam nur in einigen Ansätzen zum Tragen, so im Organisieren von Demos und einem Schulstreik, in dem er das Kolleg zur Arbeiter- und Beamtenfakultät ausrief. In Gruppen wie der evangelischen Studentengemeinde und im Arbeitskreis demokratischer Sozialisten (ADS) wie auf Demos blieb er eher zurückhaltend und gehemmt. Sein Engagement war nicht unbedingt aufgesetzt und er war auch kein Mitläufer, aber die Theorie und Praxis der Studentenbewegung war mit den in ihm schlummernden unbewussten Dingen nicht vermittelt, so dass ihm die politische Substanz fehlte. Insofern war Walter mehr oder weniger wortradikal und selten er selbst. Dazu gehört auch seine Scheu und Schwäche vor sexueller Emanzipation oder Betätigung. Real war er deshalb nur in Funktionen gut drauf, also in verselbständigten und auszuführenden Tätigkeiten, was seiner Herkunft als Beamter ebenso entsprach wie der Ebene, auf der Walter Theorie und Praxis rezipierte. So engagierte er sich früh in der Kolleg- bzw. schülereigenen Schülerzeitung „Mistbeet“, die er nach dem Abgang des letzten Chefredakteurs als solcher übernahm und dann drei Ausgaben herausbrachte. Es handelte sich um eine DIN-A4-Zeitung mit anspruchsvollem Layout und Artikeln, die aber nicht in einem hessischen Wettbewerb prämiert wurde, weil sie von „zu alten Schülern“ gemacht wurde. Über diese Zeitung knüpfte Walter Kontakte zur JPH, der Jungen Presse Hessen, war auf deren Tagungen, reiste mit ihr nach Paris und Prag und wurde schließlich ihr zweiter Landesvorsitzender. Die JPH war in der Hand der Neuen Linken aus Frankfurt am Main, unter anderem Hartmut Holzapfel, Ernst Lukas, Hans-Dieter Sperling, Bopp, H.-D. Zahn usw., von denen Walter beeinflusst wurde. Für die JPH veranstaltete er unter anderem eine Wochenenddiskussionsveranstaltung mit dem Chefredakteur der „Humanite“ und osteuropäischen Wissenschaftlern zum Prager Frühling. Nach der Okkupation der CSSR war er bei einer Diskussion darüber Podiumsteilnehmer in Kassel. Gegenüber den wortgewandten Studentenbewegungsvertretern konnte Walter sich nur ungenügend artikulieren. Er hatte keinen wirklichen Kontakt zu deren Motiven, da ihm der eigene theoretische Ausdruck fehlte, den er Zeit seines Lebens suchte. Dennoch vertrat er auf einem SPD-Hessen-Nord-Parteitag als kommissarischer Kollegsprecher die Interessen der Schülerschaft mit einer Rede. Irgendwie sprach er immer linken Jargon, den er Rudi Dutschke nachahmte, den er auf dem Berliner Vietnam-Kongress erlebt hatte. Dort begegnete er auch den Mitgliedern der Kommune I, die ihm durch ihre großen Köpfe auffielen. Er fühlte sich wohl zur Linken zugehörig und sprach wie sie, war aber immer ein Außenseiter, ohne zu wissen, warum. Mit anderen Genossen/innen gründete er eine SDS-Organisation, den Kasseler SAS, die Gruppe sozialistischer Arbeiter und Studenten, die öffentlich auftrat, aber wenig Einfluss hatte. Immerhin war er mit ihr auf dem Gründungskongress der sozialistischen Linken jenseits vom SDS, dem späteren SB vertreten, zu dem er den Kontakt aber bald wieder verlor und erst in den siebziger Jahren wieder aufnehmen sollte.

(…)

Nachdem Walter wegen einer Lymphdrüsenerkrankung mehrere Monate vor dem letzten Abitursemester im Krankenhaus in Hildesheim war, brachte er, totgesagt, bei einer Rückkehr („Mistbeet“ war inzwischen mangels Beteiligung eingegangen) eine revolutionäre Zeitung heraus: „Früchtchen“, deren zwei Ausgaben einschlugen wie eine Bombe. Seine revolutionäre Tätigkeit am Kolleg sah etwa so aus, dass er starke Widersacher selbst in der eigenen Klasse hatte, in der auch CDU-Anhänger saßen, er diese Klasse aber immer mehr nach links mitriss. Er war allen immer einen Schritt voraus, aber auch nie wohl akzeptiert. Das taten erst die Schüler/innen des nächsten Lehrgangs, die zur Halbzeit des alten anfingen. Er hatte aber auch Missgönner, die ihn beim Schulstreik nicht vor den Fernsehkameras reden lassen wollten. Immerhin brachte er mit Hildegard Hamm-Brücher für das „Mistbeet“ ein Interview zustande, wenn auch mit Schwierigkeiten und ohne reale Auseinandersetzung. Er wollte immer alles gern, konnte aber nicht alles.

Walter hat weniger am Kolleg studiert als Revolution gespielt. Entsprechend schlecht fiel auch sein Notendurchschnitt im Abschlusszeugnis aus: 2,8. Bei ernsthaftem Studium hätte er einen wesentlich besseren Abschluss erlangen können. Aber er war immer aktiv: für die Zeitung, für politische Gruppen und Veranstaltungen bzw. Demos, für die JPH, die Schule. Das für ihn unbeliebteste Fach war Latein, wo er mit Mühe das kleine Latinum mit Vier erwarb und Mathematik, wo er im Abitur eine Fünf setzte. Das mündliche Kolloquium hielt er gegen den Wunsch des von ihm gehassten Deutschlehrers (…) bei (…) über Sexualität im Spätkapitalismus, obwohl er bis dahin noch mit keiner Frau geschlafen hatte. Er konnte bei einem großen Andrang von Zuhörern darin nicht überzeugen.

aus: Walter Gerd Neumann – Eine kleine Autobiografie und ein wissenschaftspolitisches Testament. Anares 2011.

(Mit freundlicher Genehmigung des Autors; die Namen (…) sind der Redaktion bekannt!)

 

Rückblicke auf das Kollegleben (Teil 7)

Mein Notendurchschnitt war, soweit ich mich erinnere, noch schlechter als der von W. G. N.. Englisch 5. In der Abi-Klausur ging es um die Nacherzählung eines vom Lehrer vorgelesenen Textes. Da ich nur ein Rauschen mir unbekannter Wörter im Ohr hatte, brachte ich nur ein Kauderwelsch auf den staatlichen Prüfungsbögen zustande. Latein 4 – vielleicht war es eine Gnadenvier von Herrn Frederking, Chemie 4. Der Unterricht fand im ersten Kellerraum statt, durch die einige Kollegiaten, die dort wohnten, hindurch mussten, ebenso jene, die im hinteren Raum unterrichtet wurden. Dieser Klassenraum war bei Herrn Sonneborn oft abgedunkelt, so dass ich die schummrige Beleuchtung dazu nutzte, ein wenig Schlaf nachzuholen, der mir durch das frühe Aufstehen abhanden gekommen war.

Zu meiner Ehrenrettung muss ich allerdings sagen, dass ich – ich weiß nicht mehr mit wem – die ganze Nacht im Raum rechts von der Kellertreppe Fotos vergrößerte und zu diesem Zwecke, um die Nacht durchzuhalten, den Wachhalter Captagon schluckte. Derartige Eskapaden verwandelten den Weg zum Abitur auch zu einem Abenteuer, das ich mir in einem geregelten, kleinbürgerlichen Berufsleben wohl nie gestattet hätte.

Neben meinen grottenschlechten Noten gab es allerdings auch zwei Highlights: Bei Maxelon in Deutsch hatte ich im Abi eine Zwei und in der so genannten Semesterarbeit über Fotografie als Mittel der Dokumentation und als Mittel des künstlerischen Ausdrucks eine Eins. Das Thema hatte mir mein Klassenlehrer Viete vorgeschlagen, und er hat die Arbeit, die neben dem Text auch Fotos aufwies, zusammen mit dem Kunstlehrer Rudolph bewertet.

Mein Notendurchschnitt lag wohl etwas über Drei, eine unumstössliche Tatsache, die in den Jahren Ende der 60er keine Rolle spielte, zumal ich zunächst an der Kunsthochschule in Hamburg landete, bei der mehr der Eindruck zählte, den man in der Aufnahmeprüfung machte. Ich hatte allerdings insofern Glück, als ich durch Zufall auf der documenta 4 im Jahre 68 von Christo engagiert wurde, seine Arbeit „5600 cubicmeter package“ im Sinne eines „works in progress“ zu fotografieren. Da ich kein Englisch konnte, engagierte ich Jochen (Richard) C. als Assistenten, ein damals 19jähriger, der gerade Abitur gemacht hatte und Englisch sprach.

Ich lasse die ganzen Gründe aus, warum ich nach dem 3. Semester das Studium der Fotografie aufgab und zur Uni wechselte. Auch dort war noch 1970 der Notendurchschnitt des Abiturs irrelevant, jedenfalls für das Fach Philosophie. Ich glaube, ich entschied mich für Philosophie, weil mir die Kunst und der Kunstbetrieb zu reflexionsarm erschienen. Ob das arrogant von mir war, oder ob meine Einschätzung realistisch war, sei dahingestellt.

Als mir das Studentenwerk mitteilte, ich müsse, wenn ich ein Stipendium erhalten wollte, noch ein zweites Fach hinzunehmen, fuhr ich nach Kassel, um mich vor allem mit Viete zu beraten. Er schlug mir natürlich Mathe vor, wozu ich auch bereit gewesen wäre, hätte nicht ein mit mir befreundeter Maler in Hamburg mich darauf hingewiesen, dass ich zu schwankenden Leistungen neige, zu einer nicht konstanten Kondition. Er empfahl Germanistik, und zwar mit dem Argument, wenn ich einen Roman von Thomas Mann ausließe, hätte das nicht solche Folgen wie in Mathe, wo sogleich eine Lücke entstünde und man im nächsten Semester nicht mehr mitkäme. Ich habe diese These nie verifiziert, das heißt, ich habe Germanistik studiert.

Zwei Semester später hieß es seitens des Studentenwerks, Philosophie sei kein Schulfach, ich müsse zu Germanistik (Deutsch) noch ein zweites Schulfach wählen. Nach einiger Überlegungen und ambivalenten Schwankungen im Gemüt, entschloss ich mich für Theologie, weil dieses Fach für mich der Philosophie am nächsten kam – und so landete ich als Ungläubiger bei den Theologen. Eine der Auswirkungen bürokratischen Kleingeistes. Warum sollte Philosophie kein Lehrfach sein, fragten sich damals viele, die dieses Fach studierten.

Um nun aber den Bezug zu meinem schlechten Abidurchschnitt herzustellen und dazu, dass dieser keine Rolle für die Studienreife oder Studierfähigkeit spielte, wäre zu erwähnen, dass mich mein Professor in Mittelhochdeutsch für die Studienstiftung des deutschen Volkes vorschlug. Bei den Aufnahmegesprächen hatte ich insofern Glück, als ich auf einen pensionierten Staatssekretär aus Bonn traf, der wie ich Kafka liebte und der der Meinung war, Begabungen erkenne man an Einzelnoten und nicht am Notendurchschnitt. Mit anderen Worten: Die Eins in der Semesterarbeit am Kolleg und die Zwei in Deutsch waren ausschlaggebend. Später hörte ich übrigens mal eine ähnliche Meinung hinsichtlich selektiv guter Leistungen von Manfred von Ardenne, dem Vorzeigewissenschaftler der DDR. Aufgrund der eigenen Erfahrungen, dass Noten zu einem bestimmten Zeitpunkt keinen endgültigen Aussagewert haben, bin ich auch heute noch gegen den Numerus Clausus, gegen die Verabsolutierung eines temporären Leistungsniveaus, das lebensentscheidend sich auswirkt.

Ich habe während des Studiums das Große Latinum nachgeholt, das Kleine Graecum erworben und das Studium in den Fächern Deutsch, evangelische Religion und Erziehungswissenschaften mit 1,0 abgeschlossen. Im Studium, das muss noch hinzugefügt werden, erwies sich der Bildungsweg über eine Lehre, einen Beruf und über das Kolleg als ausgesprochen vorteilhaft, weil man irgendwie erwachsener und reifer war, als jene Studenten, die mit 19 nach dem Gymnasium ihr Studium begannen. Man hatte dem Abiturienten vom 1. Bildungsweg einiges an Lebenserfahrung voraus.

Der Notendurchschnitt des 1. Staatsexamens von 1,0 ermöglichte es, von der Studienstiftung ein Doktorandenstipendium zu erhalten. (Hier war der Notendurchschnitt dann doch relevant.) Ich fasste in meiner Dissertation meine Erfahrungen und Schwerpunkte zusammen – Fotografie, Kunst, Philosophie, Kunsttheorie und Theologie -, um eine Arbeit über Ästhetik als säkularisierte Christologie am Fachbereich Literaturwissenschaft zu schreiben.

Englisch habe ich übrigens nach dem 1. Staatsexamen und dem Beginn der Promotion nachgeholt mit Kursen in England und einem Auslandssemester in Reading. Wobei ich nicht nur Englisch gelernt habe, sondern dadurch, dass ich Bücher auf Englisch lesen konnte, habe ich für mich einen Autor entdeckt, der mir in vielem aus der Seele spricht: Ross Macdonald. Die Essenz oder Substanz seiner Bücher sind in den deutschen Übersetzungen nicht wiederzufinden.

Wenn es so etwas wie Kontinuität in meinem Leben gibt, dann ist es das essayistische Schreiben, das ich schon in der Kollegzeitung mistbeet realisieren konnte. Und hier komme ich auf W. G. N. zurück. Ich habe ihm damals verübelt, dass er die ästhetische Komponente der Kollegszeitung mistbeet, ihren künstlerischen Charakter, beiseite geschoben, sie für überflüssig erklärt hat. Es kursierte damals 67/68 ein Spruch von F.-J. Degenhardt: Differenzierung ist Krampf im Klassenkampf. Neumann hat eine Zeitung, die vor ihm Gedichte, Fotos, politische Beiträge, Erzählungen, Zeichnungen enthielt, reduziert auf politische Agitation

Klaus Baum

Rückblicke auf das Kollegleben (Teil 8)

14 Jahre Deutschlandreise

Der Lg. 30 läuft… und läuft… und läuft…

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Im Frühsommer 1998 schrieben wir unsere letzten Klausuren am Hessenkolleg Kassel. Dann gingen wir in alle Richtungen auseinander – zum Studieren, in die Ausbildung oder direkt in den Job. Immerhin zwölf von uns haben sich trotzdem nicht aus den Augen verloren: Bis heute kreuzen sich unsere Wege regelmäßig, denn ein- bis zweimal im Jahr gehen wir wandern. Zugegeben: Unsere Touren mögen allmählich kürzer werden. Aber die gemeinsame Wegstrecke wächst von Jahr zu Jahr.

Der ganz große Brocken lag gleich am Anfang, noch vor dem Abitur. Es war der Brocken im Harz, auf den wir im Januar 1998 stiegen, eine kleine Gruppe von Kollegiaten im tiefen Schnee. Wir marschierten im Ilsetal hinauf, oben gab es heiße Erbsensuppe, dann marschierten wieder runter – das ist die Kurzfassung. Zur Langfassung gehört u.a., dass wir uns ordentlich in der Waldeinsamkeit verliefen, dass der eine mit dem Fuß in ein Gülle-Rinnsal einbrach, der andere vor Hüftschmerzen nur noch rückwärts den Gipfel erreichte und dass von der Kamera bis zum Pausenbrot alles einfror. Als wir nach knapp 9 Stunden wieder im dunklen Tal ankamen, lautete der allgemeine Konsens: Auch für einen Koffer mit 1.000.000 Mark würde nun niemand mehr umkehren.

Seit dieser ersten Wanderung haben wir viel von Deutschland gesehen, wobei der Tag immer mit einem gemeinsamen Abend im Gasthaus endet. Wir waren mehrfach in der Rhön, im Taunus, im Spessart und im Odenwald, am Thüringer Rennsteig, am Rhein und in der Eifel. Immer wieder waren wir im Reinhardswald, zum Weihnachtsmarkt in Hann. Münden oder zur Hirschbrunft. Wir liefen am Hohen Meißner, im Werratal über Hanstein und Ludwigstein und im Kellerwald. Der Brocken stand insgesamt dreimal auf der Tagesordnung, bis jetzt jedenfalls – und zuletzt, im März 2012, waren wir am Edersee unterwegs: Auf dem Höhenweg, mit Übernachtung in Hemfurth.

Wozu das Ganze? Die Frage ist berechtigt, sie ging uns ja schon bei der ersten Brocken-Tour durch den Kopf. Jeder von uns wird seine eigene Antwort darauf haben – wobei die meisten wohl sagen würden, dass es einfach immer wieder Spaß macht und interessant ist. Witzig ist es natürlich auch, zuweilen sogar saukomisch.

Selbst dann, wenn wir abends müde und satt in der Gaststube sitzen, lässt sich unsere Gesellschaft schnell wiederbeleben. Wir haben da einen ganzen Köcher voller Anekdoten, unendlich viele aus der Kollegzeit natürlich, aus dem Unterricht („Sind Sie debil?“), von den Studienfahrten („I name the chicken“), aber eben auch von unseren Wanderungen… etwa in Abstroda (Schneemänner, Klotür, rotes Gesicht, Schlachteplatte), in der Eifel (Duschtür…) oder im Spessart (Fixi und Foxi – oder so ähnlich –, Bier über Kopf), vom Marder-Mord in Werleshausen (Ur-Schrei, Reisetasche, Nachttischlampe) und vieles mehr.

Natürlich bespricht man auch vieles bei diesen Wanderungen. Was machst Du gerade? Wie geht es Dir dabei? Welche Pläne hast Du? Was wird aus uns allen? Das ist ein ständiges Thema bei unseren Wanderungen. Unsere Leben entwickeln sich ja ständig weiter, da wird geheiratet, zusammen- und auseinandergezogen, Kinder kommen, Jobs ändern sich, Partnerschaften und Hobbys ebenso… alles fließt, und wir nehmen gegenseitig Anteil daran.

Wer sind „wir“? Ganz vollständig ist unsere Gruppe nur selten, denn irgendwer ist immer krank oder hat einen Konkurrenz-Termin. Aber zum harten Kern dürfen wir auf jeden Fall die folgenden Personen zählen: Christiane Bu., Daniela Di., Marcus Dr, Alexander Gr, Klaus Kü (und seine Frau Sa.), Pamela Mü, Andrea Na, Michael Po, Basil Ri, Martin Ro, Martina Sc und Katja Sc. Einzelne aus dieser Gruppe haben noch Kontakt zu weiteren Ehemaligen des Lg. 30 – zu René Bö etwa, zu Anja Dö, Markus Th oder Stefanie En.

Unser nächstes Wanderziel ist übrigens der Rheingau, im Oktober. Wir haben uns in Hemfurth erneut vorgenommen, den eingerissenen Trend zu „Oma-Touren“ (< 15 km) umzukehren. Jedenfalls haben sich das einige von uns vorgenommen. Andere haben eher stumm genickt oder verhohlen ins Bierglas gegrinst. Wir brauchen sicher noch weitere 14 Jahre, bis wir ernsthaft über eine gemeinsame Kutschfahrt durch die Lüneburger Heide nachdenken. Und fährt da nicht auch so eine nette, altmodische Eisenbahn auf den Brocken? Wir bleiben also zuversichtlich, denn egal, ob zu Fuß oder mit Hilfsmotor: Noch ist die Luft nicht raus.

Eines haben wir leider nicht geschafft: die geplante Pragfahrt zum 10-jährigen Abi-Jubiläum. Macht nichts. Im nächsten Jahr feiern wir „15-Jähriges“, und da versuchen wir es wieder.

Was wir aus unserer Kollegzeit hinüberretten konnten, ist der Modus, weiterhin ein Stück Lebensweg im besten Wortsinne zu teilen – damals im Sitzen und nicht immer ganz freiwillig, heute definitiv freiwillig und beim Wandern. Die Richtung stimmt also, alles Weitere wird sich finden – wir freuen uns darauf.

 

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