Fächer stellen sich vor

 

  1. Englisch
  2. Wirtschaftsenglisch
  3. Darstellendes Spiel (siehe auch die Seite DS)
  4. Musik

1.
Englisch unterrichten am Hessenkolleg zwischen 2003 und 2012

Englisch am Hessenkolleg zu unterrichten habe ich immer als eine große Herausforderung erlebt, da die Voraussetzungen, die die Studierenden mitbringen, sehr heterogen sind. Einige Studierende haben wenig bis gar keinen Englischunterricht in der Mittelstufe gehabt – sei es, weil sie noch in der DDR zur Schule gegangen waren und dort Russisch als erste Fremdsprache hatten oder in einem anderen Land, in dem Englisch nicht unterrichtet wurde, sei es, weil an der Schule, die sie besucht hatten, aufgrund eines fachspezifischen Lehrermangels Englisch nur fachfremd unterrichtet wurde. Manche Studierenden haben auch durchaus in der Mittelstufe Englisch gelernt – aber diese Zeit liegt lange zurück und man ist etwas aus der Übung. Andere wiederum sprechen fließend Englisch, entweder, weil sie selbst Muttersprachler sind oder weil zumindest ein Elternteil Muttersprachler ist, oder weil sie allein oder mit ihrer Familie lange in einem Land gelebt haben, in dem Englisch als Umgangssprache gesprochen wird. Manche haben gute Erfahrungen mit der englischen Sprache gesammelt, weil sie auf dem Campingplatz im Urlaub oder bei Jobs erlebt haben, wie sie als lingua franca funktioniert und dass es Spaß machen kann, die eigenen Englischkenntnisse praktisch anzuwenden. Andere lesen gerne englische Romane oder schauen gerne Filme im englischen Original. Wieder andere haben schlechte Erfahrungen gesammelt oder verbin­den die englische Sprache mit emotionalen Konflikten und weigern sich, Englisch zu spre­chen. Einige haben mir erzählt, dass die jeweiligen Lehrer in der Mittelstufe es resig­niert aufgegeben hatten, ihnen Englisch beizubringen mit den Worten „Das lernst du nie!“ Mit all diesen unterschiedlichen Voraussetzungen und Haltungen zur Sprache und zum Fach Englisch ist man konfrontiert, wenn man am Hessenkolleg Englisch unter­richtet. Das ist sicherlich ansatzweise in anderen Fächern ähnlich, aber in Englisch zeigt es sich extrem. Entsprechend ist es in diesem Fach besonders wichtig zu überlegen, wie Binnen­differenzierung so funktionieren kann, dass man den unterschiedlichen Voraussetzungen und Bedürfnissen der Studierenden gerecht werden kann. Es hat hierzu schon den Versuch der äußeren Differenzierung gegeben, indem Kurse aufgeteilt wurden in unterschiedliche Leis­tungsniveaus. Das hatte den Vorteil, dass leistungsstärkere Studierende stärker inhaltlich und leistungsschwächere Studierende stärker sprachlich arbeiten konnten. Es hatte aber den Nachteil, dass es eine Gruppe gab, in der eine sehr hohe Beteiligung am Unterricht stattfand, und eine, die sehr stark zur Mitarbeit motiviert werden musste. Und es war schwierig, die „Mittleren“ so zuzuordnen, dass sie sich gut aufgehoben gefühlt haben. Ein weiteres Problem war, dass ja alle Studierenden auf das Abiturniveau gebracht werden mussten und dass ein reiner Sprachlernkurs, der sicher für die eine Gruppe sehr hilfreich gewesen wäre, den inhalt­lichen Anforderungen des (Landes-)Abiturs dann nicht gut hätte gerecht werden können. Binnendifferenzierung bleibt also ein Arbeitsbereich des Faches Englisch, der immer wieder neu entwickelt werden muss, da auch die Gruppen, die am Hessenkolleg beginnen, immer wieder ganz unterschiedlich sind. Im Laufe meiner Zeit am Hessenkolleg hat es darüber hinaus noch einige Veränderungen im Englischunterricht gegeben. Für uns seit dem Lehrgang 40 (Abitur im Frühjahr 2008) gibt es ein Landesabitur an den Schulen für Erwachsene, d.h. die schriftlichen Abiturvorschläge werden nicht mehr von den Kollegen an der Schule entwickelt, sondern am Institut für Qualitätsentwicklung (IQ) in Wiesbaden. Seit dem Jahr 2010 war ich federführend in der Kommission für das Fach Englisch, die für die Aufgabengewinnung für das Landesabitur der Schulen für Erwachsene und die Erstellung der entsprechenden Erlasse zur Konkretisierung des Lehrplans zuständig ist. Das hat dazu geführt, dass die Ausrichtung auf die Vorgaben stärker geworden ist. Das birgt natürlich die Gefahr eines reinen „Teaching to the test“, wie es auch in den USA kritisiert wird, und die Gefahr, dass die Aufgaben allgemeiner gehalten, nicht mehr konkret auf Unterrichtsinhalte bezogen sind, was die Angst einiger Kolleginnen und Kollegen schürt, das Landesabitur sei grundsätzlich weniger anspruchsvoll als das individuell gestaltete. Verstärkt wird diese Sorge, die auch aus dem ersten Bildungsweg immer wieder zu hören ist, durch die Konkurrenz der Schulen für Erwachsene mit dem ersten Bildungsweg. Gerade beim Landesabitur ist es wichtig, ein Abitur zu gestalten, das an der spezifischen Situation und dem Entwicklungsstand der erwachsenen Studierenden ausgerichtet ist, das aber auf der Anspruchsebene nicht hinter dem ersten Bildungsweg zurücksteht. Schließlich studieren danach alle an den gleichen Universitäten. Weitere Befürchtungen in Bezug auf zentrale Prüfungen sind, dass man den Unterricht möglicherweise weniger gut an den Bedürfnissen und Interessen der Studierenden ausrichten könnte.Andererseits bietet das Landesabitur auch die Chance transparenterer Prüfungsanforderungen und einer Orientierung an zu erlernenden methodischen und kommunikativen Kompetenzen, die an immer wieder neuen Inhalten geübt werden können. Diese Inhalte werden zwar als Rahmenthemen regelmäßig neu vorgegeben,bieten aber immer noch individuelle Kon­kretisierungsmöglichkeiten für unterschiedliche Lerngruppen bzw. für unterschiedliche Stu­dierende in derselben Lerngruppe. Bestenfalls hat diese Betonung der Kompetenzvermittlung im Englischunterricht zur Folge, dass die kommunikative Funktion des Sprachunterrichts noch stärker in den Vordergrund tritt. Dem trägt auch eine im Schuljahr 2011/2012 neu eingeführte Prüfungsform Rechnung, die mündliche Kommunikationsprüfung. In diesem neuen Prüfungsformat, das zunächst nur für Leistungskurse der modernen Fremdsprachen verbindlich ist, stehen ähnlich wie z.B. in den mündlichen Prüfungen des Cambridge Certificates die kommunikativen Fähigkeiten der Prüf­linge im Vordergrund. Statt einer Leistungskursklausur werden dabei die Fähigkeiten geprüft, z.B. sich zu Bildern mündlich zu äußern und mit einem zweiten Prüfling darüber ins Gespräch zu kommen. Dabei kommt es nicht nur auf die eigene Ausdrucksfähigkeit und die korrekte Aussprache der Fremdsprache an, sondern auch auf so genannte communication skills, also z.B. die Frage, wie ich mein Gegenüber ins Gespräch einbeziehe, ob ich mein Gegenüber zu Wort kommen und ausreden lasse, inwieweit ich mich selbst aktiv ins Gespräch einbringe und wie ich es schaffe, Inhalte schlüssig zu vermitteln. Diese Prüfungsform ist für die Kolleginnen und Kollegen noch neu und wurde am Hessenkolleg Kassel im Wintersemester 2012/2013 im Lehrgang 45 das erste Mal verbindlich geprüft. Eine weitere neue Prüfungsform, die aber schon in das schriftliche Abitur 2011 erstmals einging, ist die so genannte „Kombinierte Aufgabe“. Das ist ein Abiturvor­schlag, der aus einer verkürzten klassischen Textaufgabe besteht und einer Sprachmittlungs­aufgabe, d.h. einer Aufgabe, in der Inhalte einem deutschen Text entnommen werden und auf Englisch in einer spezifisch definierten Rahmensituation wiedergegeben werden sol­len. In einer Beispielaufgabe sollte die Rezension eines deutschen Films zur Einwandererproblematik in Deutschland in einem Brief an einen englischsprachigen Freund zusammengefasst wer­den. Diese Themenstellung korrespondierte mit den Unterrichtsschwerpunkten „Immigration“ und „Multiculturalism“ in den USA und im UK. Die Idee hinter den Mediationsaufgaben ist, dass bei dieser Prüfungsform der Alltagsgebrauch der erlernten Fremdsprache im Vordergrund steht: Eine solche Übertragung von einer Sprache in die andere könnte den Studierenden „im richtigen Leben“ begegnen – auch wenn sie nicht Englisch stu­dieren wollen. Eine weitere, noch relativ neue Abiturprüfungsform, die Präsentationsprüfung, die an anderer Stelle in der Festschrift zur 50-Jahr Feier noch detaillierter beschrieben ist – bietet für den Englischunterricht ebenfalls neue Chancen: Insbesondere Studierende, deren mündliche Leistungsfähigkeit in Englisch recht hoch ist, weil sie durch Auslandsaufenthalte und/oder Englisch am Arbeits­platz und in der Freizeit viel Erfahrung mit der Fremdsprache im mündlichen Bereich haben, die aber im Schriftlichen immer wieder an der Fehlerquotientenhürde scheitern, können ihre Fähigkeit, Englisch zu sprechen, in einer Präsentationsprüfung unter Beweis stellen. Hier könnten entweder landeskundliche Problemkonstellationen (z.B. “Is the Partition of India and Pakistan a solution for intercultural conflicts”) oder Themen mit Bezug zur Literatur (z.B. „Comparison of the biographies of Hanif Kureishi and Paul Auster“ or „The Role of Popular Mass Culture in Nick Hornby’s High Fidelity“) zu bearbeiten sein. Die beiden hier beschriebenen neuen Prüfungsformen finden sowohl bei den Studierenden als auch bei den Lehrenden Freunde und Feinde, zeigen aber auf jeden Fall, dass es immer neue Ideen gibt, wie der Englischunterricht so verändert werden kann, dass mehr Authentizität ent­steht – und das nicht nur durch neue Medien wie das Internet, DVDs mit der Möglichkeit zur Sprachwahl und Untertitelung, elektronische Tafeln und fahrbare Laptop-Beamer-Einheiten.Weitere Elemente, die den in den letzten Jahren am Hessenkolleg unterrichtenden Englisch­kolleginnen und -kollegen besonders wichtig waren, um die Authentizität der Sprechsituationen zu gewährleisten, waren Studienreisen nach Großbritannien (York und Bath) und Irland (Dublin) und das Einladen von z.T. weit gereisten Muttersprachlern in den Unterricht, damit diese mit den Studierenden ins Gespräch kommen und von ihrem Land und ihrem Leben dort berichten konnten. Weitere Projekte, um das Interesse an der englischsprachigen Welt zu fördern, sind gemeinsame Besuche englischsprachiger Theaterstücke und das gemeinsame Feiern von Festen mit internationaler Ausrichtung: Weihnachts­feiern mit interkulturellem Programm, ein Bloomsday mit irischer Musik und Lesungen aus James Joyces Ulysses, Thanksgiving-Feiern mit einem traditionell gefüllten „turkey“, „sweet mashed potatoes“, „American cookies“ und anderen Spezialitäten, St. Pat­rick’s Day mit grünem Bier und „Irish Stew“. Auch zu Präsentationen im Unterricht gab es schon ein interkulturelles Nahrungsangebot: indische Spezialitäten und Gewürze, amerikani­sches Fastfood und englischen Tee. Ferner hat es schon engagierte Literatur-AGs gegeben: eine zu Shakespeare und eine zu James Joyces Ulysses. Es wäre schön, wenn sich ein Teil dieser Tradition in Zukunft fortsetzen würde und wenn es Raum gäbe für immer wieder neue Ideen, wie Sprachunterricht an einer Erwachse­nenschule lebendig gestaltet werden kann.

 Dr. Catrin Siedenbiedel (bis Juli 2012 Lehrerin für D, E und DS am HKK)

 

2.


Wirtschaftsenglisch am Hessenkolleg

 

Seit dem Schuljahr 2003/2004 gibt es am Hessenkolleg Kassel regelmäßig für die Studierenden der Qualifikationsphase einen Ergänzungskurs „Business English“ (erstmals für den Lg. 37). In diesem Kurs, der in der Regel vielfach angewählt wird, geht es zum einen darum, kommunikative Kompetenzen zu erwerben, die den praktischen Anforderungen der Berufswelt sehr nahe kommen: Es wird erlernt, wie man sich bei Geschäftstreffen gepflegt unterhält, welche Themen man im besonders von angelsächsischen Geschäftspartnern geschätzten Small Talk anschneiden und welche man lieber vermeiden sollte. Dabei wird nicht nur Konversation geübt, sondern auch interkulturelles Wissen vermittelt. Es wird trainiert, wie man einen Geschäftsbrief förmlich aufbaut, sein Anliegen klar und verständlich, gut strukturiert und idiomatisch korrekt vorträgt, welche Anrede man in welchem Kontext verwendet und welches Vokabular man in welchen geschäftlichen Kontexten verwendet. In kleinen Rollenspielen wird trainiert, wie sich ein Bewerber in einem Vorstellungsgespräch gewinnbringend präsentiert und Fragen auf Englisch spontan und sprachsicher beantwortet.Es werden Firmenstrukturen vorgestellt und das entsprechende Wortfeld erarbeitet. Die Studierenden lernen, wie ein förmliches „Meeting“ in einer Firma abläuft und wie sich die verschiedenen Teilnehmer und auch der Vorsitzende einer solchen Sitzung sprachlich sicher in die Diskussion einbringen können.Seit Einführung der Präsentationsprüfung dient dieser Kurs darüber hinaus auch zur Erweiterung der entsprechenden Kompetenzen der Studierenden. Es werden Regeln für gute Präsentationen erarbeitet und dann in Form von eigenen mediengestützten Vorträgen zu wirtschaftsnahen Themengebieten trainiert. Dabei wird die Erstellung und Nutzung von unterschiedlichen Graphen, Diagrammen und Tabellen geübt und der entsprechende Wortschatz zur Beschreibung vermittelt. Im Rahmen solcher Präsentationen können Themen gewählt werden, die von volkswirtschaftlichen Fragestellungen wie „Pros and Cons of Outsourcing“ über landeskundliche Themen wie „Women and Professionality in India“ bis zu der Präsentation von Firmenkonzepten „McDonald’s as Franchise Company“ reichen. Aus diesem Kurs sind auch schon erfolgreiche Abiturpräsentationsprüfungen entstanden. So wurde z.B. interdisziplinär zwischen dem Englisch- und dem Chinesischunterricht eine Präsentation zum Vergleich der Wirtschaftsbooms in China und Indien angeboten.Dr. Catrin Siedenbiedel (bis Juli 2012 Lehrerin für Deutsch, Englisch und DS am HKK)

3.


Darstellendes Spiel am Hessenkolleg

Am Hessenkolleg Kassel werden Fächer der ästhetischen Bildung wie Kunst und Musik schmerzlich vermisst. Einzig Darstellendes Spiel wurde seit einigen Jahren als Wahlangebot zunächst von meinen Kolleginnen Frau Kaeding und Frau Knieling, schließlich von mir selbst unterrichtet. Voraussetzung dafür war, dass wir neben unserem Unterricht in zwei Semestern eine qualifizierte Fortbildung in Göttingen absolvieren mussten, um die Lehr- und Prüfungsbefähigung für dieses Fach zu erwerben. DasFach ist in der hessischen Bildungslandschaft noch relativ neu und deshalb glauben noch immer viele, es handele sich um ein Fach, in dem man vor allem „ein bisschen Springen und Tanzen“ lernt. Dabei ist es ein komplexes Unterfangen, Studierende darin zu unterrichten, wie die darstellende Kunst funktioniert. Am Anfang eines solchen Kurses steht zunächst einmal die Frage, was Theater überhaupt ist und wie Theaterspielen funktioniert. Was kann alles eine Bühne sein? Wie erkennt man, dass jemand spielt und waser/sie spielt? Wie wird jemand zum Zuschauer? Und wie nutzt man die vielfältigen Möglichkeiten? ImZeitalter der elektronischen Medien ist es wichtig, die Besonderheiten des Theaters und der damit verbundenen gleichzeitigen Präsenz von Zuschauer und Darsteller kennenzulernen und die spezifische Wirkung, die diese Simultaneität hat, zu erkunden. Der Unterricht im Fach Darstellendes Spiel richtet deshalb sein Augenmerk neben dem natürlich zentralen eige­nen praktischen Theaterspielen auch auf das kritische Rezipieren von Theater und auf Thea­tertheorie. Es wird also z.B. Erika Fischer-Lichtes Definition dessen, was theatrale Zeichen sind und wie sie funktionieren, unterrichtet, sowohl, um sie selbst bei der Produktion eigener Theaterszenen in unterschiedlicher Gewichtung einzusetzen und deren Wirkung zu beobach­ten, als auch, um sie in professionellen Theaterinszenierungen zu entdecken und Interpretati­onsansätze dafür zu entwickeln. Oder es werden verschiedene Inszenierungskonzepte (z.B. von Stanislawski, Brecht, Boal, Jelinek) zunächst theoretisch erarbeitet und dann praktisch in eigenen Szenen umgesetzt bzw. an professionellen Theaterszenen beobachtet und deren Wir­kungsweise ermittelt. In so gut wie jeder Stunde sind die Studierenden sowohl Schauspieler als auch Zuschauer, sie wechseln zwischen diesen beiden Rollen hin und her, spielen selbst, beobachten und reflektieren das Spiel der anderen. Eine wichtige Frage nach jeder Präsenta­tion ist:„Was haben Sie gesehen?“ So wird zum einen überprüft, inwiefern sich Wirkungsab­sicht und tatsächliche Wirkung decken, als auch der Interpretationsspielraum ausgelotet, der durch den bewussten (aber auchden unbewussten) Einsatz von theatralen Zeichen entstehen kann. Um eigene praktische Theaterarbeit zu leisten, sind viele Vorübungen nötig. Manch einer hat dabei schon mal das Gefühl, sich „zum Affen“ zu machen, z.B. wenn ein so genanntes Soundscape zu einer Urwaldszene entwickelt werden soll und dazu jede/r mit geschlossenen Augen im Raum verteilt Geräusche nachahmt, die ihm/ihr zur entsprechenden Situation ein­fallen. Aber wer einmal im Theater ein Soundscape gehört hat, erkennt schnell, dass, wenn es die Qualität eines vielstimmigen Chors hat, der Zuschauer sich allein über die Geräusche in eine andere Welt versetzt fühlt. VieleÜbungen dienen dazu, Körperbewusstsein und Körperspannung zu erzielen, die für die Bühnenpräsenz des Schauspielers sehr wichtig sind. Andere Übungen sollen helfen, Gefühle zu imitieren, die eine Figur auf der Bühne hat. Da kann man – auch das lernen die Studierenden im DS-Kurs – von innen nach außen vorgehen, d.h. sich z.B. an eine Situation erinnern, die ein bestimmtes Gefühl(Wut/Trauer/Freude…) in einem ausgelöst hat, um so dieses Gefühl auf Abruf zu reproduzieren. Oder man geht „von außen nach innen“ vor und überlegt, was für eine Körperhaltung, was für einen Gesichtsausdruck ein Mensch mit einer bestimmten Stimmung üblicherweise hat (z.B. Schultern hängen lassen für Trauer/Resignation) und erzeugt das entsprechende Gefühl im Schauspieler über das Einneh­men dieser Körperhaltung und Mimik, z.B. beim Formen einer menschlichen „Skulptur“. Wieder andere Übungen sind dazu da, den „peripheren Blick“ zu trainieren, damit man die anderen Schauspieler niemals ganz aus den Augen verliert, denn das Zusammenspiel mit den anderen ist sehr wichtig und muss ebenfalls auf verschiedensten Ebenen trainiert werden. Wenn am Ende die Schauspielertruppe nicht zusammenarbeitet, nicht einfach jeden Teilneh­mer annimmt und als Teil der Gruppe akzeptiert und wenn nicht jeder einzelne seine eigene Rolle verantwortungsvoll annimmt und sich mit aller Kraft und Konzentration einbringt, funktioniert das gesamte Stück nicht. Schon der Ausfall eines einzigen Schauspielers macht die Aufführung des Stücks unmöglich. Es hat in den vergangenen Jahren einige kleinere und größere Produktionen der DS-Kurse gegeben, das reichte von dramatisierten Fassungen von Gedichten (z.B. Schillers „Die Bürg­schaft“, Goethes „Der Zauberlehrling“) über die Arbeit mit dramatischen Texten (Urs Wid­mers„Top Dogs“, Arthur Schnitzlers „Der Reigen“ und „Deadline“nach Henning Mankell) bis zu freien Improvisationen z.B. mit Variationen auf die Wortendung „-tisch“ und Experi­menten mit „unsichtbarem Theater“. Im Verlauf der letzten Jahre gab es immer wieder sehr gewinnbringende Kooperationen zwi­schen Darstellenden-Spiel-Kursen des Hessenkollegs und dem Kasseler Staatstheater: Workshops zu verschiedenen Stücken; Theaterführungen, die Teilnahme an den Schulthea­tertagen und auch das so genannte Jugendabo, an dem in den letzten Jahren kursübergreifend einige Studierende teilgenommen haben. Die Einführung des Fachs Darstellendes Spiel am Hessenkolleg kann als großer Gewinn be­zeichnet werden, weil es den Studierenden die Möglichkeit der kreativen Arbeit bietet und da es andere ästhetische Bereiche (Kunst, Musik, eventuell Tanz) ebenfalls einbindet und Aus­drucksmöglichkeiten sowohl für literarische Stoffe als auch für eigene Gefühle und Konflikte schafft und weil es den Studierenden neben ästhetischer Bildung auch Sozialkompetenzen vermittelt. Es führt zu einem erhöhten Interesse am Theater und zwar auf einem ganz anderen Weg als der traditionelle Deutschunterricht das leisten kann. Es ist ein Fach, das theoretisches Wissen mit allen Sinnen erfahrbar machen kann wie kaum ein anderes und es ist ein Fach, das ganz viele Möglichkeiten bietet, individuelle Fähigkeitender Studierenden zu fördern – und dieser Individualisierung zum Trotz lässt es zugleich einen großen Zusammenhalt zwischen den Teilnehmern entstehen.

Dr. Catrin Siedenbiedel (bis Juli 2012 Lehrerin für Deutsch, Englisch und DS am HKK)

 

Hessenkolleg Kassel – School of rock

4.

Musik

Die and ohne Namen oder auch „nochmal!!!“„Come as you are“, „Every me and every you“ und „Tainted Love“ waren unsere ersten drei Songs. Wir trafen uns zur letztjährigen Projektwoche des Hessenkollegs Kassel und hatten einfach Lust auf Musik. Unser erklärtes Ziel: ein Song aus jedem Jahrzehnt des Hessenkollegs. Okay, es sind am Ende nur drei Songs geworden, aber es hat uns allen viel Spaß gemacht und die neue Besetzung der Musik-AG war gefunden. Aller Anfang ist ja bekanntlich schwer und wir hatten auch ein paar kleinere Anlaufschwierigkeiten. So hörte man des Öfteren „nochmal!!!“, wenn es mal wieder nicht gelingen wollte, die richtige Reihenfolge von Strophe, Chorus und Bridge zu finden. Aber wie sagt man so schön: „Das Ziel ist im Weg“… nein:„Der Weg ist das Ziel“. Da wir uns während der Projektwoche so sehr aneinander gewöhnt hatten, treffen wir uns seitdem jeden Freitag und machen Musik. Ebenfalls zum festen Ritual gehören die Auftritte zum jährlichen Sommerfest und zur Weihnachtsfeier, die uns immer viel Spaß machen und auch immer wieder gut beim Publikum ankommen. Unter musikalischer Aufsicht von Herrn Kalleé wagen wir uns an immer wieder neue Herausforderungen, so zum Beispiel rein akustisch gespielte Songs wie„ Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller oder „Creep“ von Radiohead. Weitere Songs sind „Use Somebody“ von den Kings of Leon, „Where is mymind“ von den Pixies und „I wish I was a punkrocker” von Sandi Thom. Möglich macht uns das der Spaß an der Musik, Kreativität in der Umsetzung, gute Technik – und natürlich nicht zu vergessen – unser eigener Proberaum im Hessenkolleg. Instrumental sind wir auch sehr gut besetzt, so haben wir mehrere Drum-Sets, Percussion, verschiedene Arten von Gitarren, einen Bass und auch ein Keyboard, das uns im letzten Jahr vom Förderverein des Hessenkollegs zur Verfügung gestellt wurde. Man kann wirklich sagen, dass die Band eine sehr willkommene Abwechslung vom Schulalltag für uns alle ist.

Martin Hildebrandt (Lg. 45)

 

Freitagnachmittag. Nasskaltes Wetter. Leipziger Straße. Nachbarschaft zum Hallenbad Ost, der Kfz-Zulassung sowie der Diskothek „ SPOT“. Eine seltsame Kulisse für einen außerschulischen Lernort: Ein zerfallendes heruntergekommendes verwittertes Industriegemäuer. Der Musikförderverein e.V. hat eben hier seinen Sitz, Proberäume diverser Kasseler Musikgruppen befinden sich unter dem Dach. Einer dieser kleinen, feuchten und modrigen Mietobjekte wird 2010 von „ Escape thereality“ genutzt. Einige Bandmitglieder sind Studierende des Hessenkollegs. Da diesen anfangs die Möglichkeiten im Schulgebäude für eine Musik- AG fehlen, organisiert sich ein kleines, motiviertes Musiktrüppchen in eben diesen Bandräumen, um miteinander zu rocken und fortan die Schulgemeinde mit ihnen Darbietungen zu unterhalten. Herr Kallée, seit Jahrzehnten selbst aktiver Musiker in rockigem Gefilden, unterstützt das freiwillige Engagement der Schülerband in Bereichen, die sonst am Hessenkolleg sicherlich weniger zu seinen Kerngeschäften zählen dürften: Instrumentenschlepper, Schlüsselbote, Akkordfinder, Notenkopierer und vermutlich der, was das Musikbusiness gemeinhin als einen „Coach“ oder „Musikdirektor“ betiteln würde. Die Band-Besetzung wechselt mehrfach, neue Songs werden eingeübt. Hauptaugenmerk legt die Musik- AG auf das Covern von Pop- und Rocksongs zumeist jüngeren Datums. So entstanden Versionen von Nirvana, Placebo, Amy Winehouse oder Greenday. Gespielt wird bislang in einer klassischen Rock-Formation mit Schlagzeug, Gitarre, Bass und Gesang. Ergänzt werden konnten diese Sounds zeitweise mit Akkordeon, Keyboard oder gar einer Ukulele. Der Fantasie und Kreativität bei der Umsetzung bekannter Stücke werden bewusst wenig Grenzen auferlegt, das regelmäßige „Jammen“ findet bei den Teilnehmern sichtlich Gefallen. Nachdem aus eine rrelativen spontanen Laune heraus nach und nach ein dauerhaftes Engagement erwachsen ist, findet diese AG auch endlich im Hessenkolleg ihren Platz. Die ehemalige Küche im Altbau avanciert kurzerhand zum Lagerraum für die Instrumente, von denen einige mit Unterstützung des Fördervereins der Schule angeschafft werden konnten. Geprobt wird fortan freitags im SV-Raum, der dann vollgepackt mit Musikern und Technik ein lautstarkes Bild kreativen Wahnsinns beherbergt und das Hessenkolleg voluminös in ein rockiges Wochenende verabschiedet. Diese Musik-AG darf als gutes Beispiel dafür dienen, wie lebendig und vielfältig Schulalltag sein kann und wie freiwilliges Tun am Kolleg zu einem spaßigen und lehrreichen Zeitvertreib wird.

 

 Judith Pabst (Lg. 46)

 

 

 

 

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